Markus J. Becker strives for an organic synthesis referencing architecture and abstract art in his ink drawings. Organic as in they do not reach a final state, but rather emulate a living shape with the potential to evolve in numerous ways, always depending on the viewer’s perception. The compositions oscillate between dynamic and static, between chaos and order. It is important to keep in mind that both poles are interdependent. Chaos is uninhabitable, it requires form, structure and design. At the same time, any type of order needs traces of chaos to allow room for development; chaos is order’s creative driving force. On close observation, the drawings reveal axes, shapes and patterns which seem to dissolve in detail only to immediately regroup to form new shapes. This process offers numerous, potentially endless combinations and can continue on in the observer’s imagination.

The layout of each image is defined by several layers. They vary depending on complexity, motif and colouring. The first layer is defined by thin lines which mark out surfaces and empty spaces, almost like an architectural floor plan. A line shapes, structures and separates. Every line is applied to the surface with a thin brass rod and ink – or drawn with a technical pen by hand or compass. During application, little droplets of ink roll off the metal, leaving gaps which are in turn divided by fine, technical pen-drawn lines. Almost like notes on a sheet of music, they turn into a visual score. When the lines join up or intersect, they create surfaces and axes – the score begins to sound. This is the foundation for the second creative layer: every surface is individually masked with tape, thereby creating straight, angular and inflexible shapes. Shades of colour, a combination of brush and printing techniques, and the use of metallic leaf create a surface structure that lends a three-dimensional, almost tactile quality to the rigid overall structure.

The contrast of lines, fine dashes, straight or bent edges, soft colour gradients and various surface structures evoke a fragmented and deconstructed landscape, in which the viewer picks their own perspective. The choice of materials – ink and technical pen on matte, translucent drawing film emphasises this effect and gives the drawings a certain fragility. It is in the repetition and evolution of lines, dashes and surfaces that the search for structure, form and character continues.

Markus J. Becker beschäftigt sich in seinen Tuschearbeiten mit der organischen Synthese zwischen Architektur und abstrakter Kunst. Organisch ist diese Synthese, weil damit kein fixer Endzustand erreicht ist, sondern eine lebendige Form, die sich – je nach Wahrnehmung – vielfältig weiterentwickeln kann. Die Kompositionen oszillieren zwischen Dynamik und Statik, zwischen Chaos und Ordnung. Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass beide Pole aufeinander angewiesen sind. Das Chaos ist nicht bewohnbar, es braucht Form, Struktur, Gestalt. Jedoch braucht jede Ordnung Spuren von Chaos, um entwicklungsfähig zu bleiben; im Chaos liegt die schöpferische Potenz. So lassen sich bei genauer Betrachtung in den Zeichnungen Achsen, Körper und Muster erkennen, die sich in Details aufzulösen scheinen und sogleich wiederum neue Formen zu bilden beginnen. Dieser Prozess bietet vielfältige, prinzipiell unendliche Kombinationsmöglichkeiten und soll (darf) sich in der Wahrnehmung (Phantasie) des Betrachters fortsetzen.

Der Aufbau eines Bildes lässt sich in verschiedene Gestaltungsebenen unterteilen. Diese variieren je nach Komplexität, Motiv und Farbgebung. Die erste Bildebene geben – gleich einem Grundriss – feine Linien vor, an denen sich Flächen und Leerräume orientieren. Eine Linie formt, strukturiert und trennt. Jede Linie wird entweder mit einer dünnen Messing- Rundstange und Tusche auf den Untergrund aufgedruckt – oder mit einem Rapidograph per Hand oder Zirkel gezogen. Durch das teilweise Abperlen der Farbe vom Metall entstehen beim Drucken Lücken. Diese Zwischenräume unterteilen feine Striche, gezeichnet mit einem Rapidograph. Gleich Noten auf einem Notenblatt ergeben diese eine Partitur. Verbindet man die Linien miteinander oder lässt sie überkreuzen, bilden sich Flächen und Achsen; die Partitur beginnt zu klingen. Jede Fläche wird separat mit Klebeband abgeklebt, wodurch saubere, kantige und starre Formen geschaffen werden. So entsteht eine zweite Gestaltungsebene. Farbabstufungen, Pinsel- und Drucktechniken oder der Einsatz von Blattmetall erzeugen eine Oberflächenbeschaffenheit, die der strengen Gesamtstruktur räumlichen, fast haptischen Charakter verleiht.

Der Kontrast von Linie, feinen Strichen, geraden oder gekrümmten Kanten, weichen Farbverläufen und verschiedenen Oberflächenstrukturen evoziert den Eindruck einer fragmentierten, dekonstruierten Landschaft. Der Betrachter sucht sich seine Perspektive. Diese Wirkung wird durch die Auswahl der Materialien – Tusche und Rapidograph auf transluzenter, matter Zeichenfolie – besonders verstärkt und verleiht den Zeichnungen etwas Fragiles. In der Wiederholung und Weiterentwicklung von Linie, Strich und Fläche geht die Spurensuche nach Struktur, Form und Ausdruck weiter.